VG Ansbach: Dash-Cams nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig

Das VG Ansbach hatte sich am 12.08.2014 (Az. AN 4 K 13.01634 ) – soweit ersichtlich – als erstes deutsches Gericht mit der datenschutzrechtlichen Zulässigkeit von Dash-Cams auseinanderzusetzen und gab dabei den Datenschützern zumindest teilweise recht.

Der Einsatz sogenannter Dash-Cams nimmt in der vergangenen Zeit auch in Deutschland immer mehr zu, sodass es bloß Frage der Zeit blieb, bis sich die Rechtsprechung mit der Zulässigkeit befassen musste. Unter einer Dash-Cam werden kleine Videokameras verstanden, welche auf dem Armaturenbrett eines Fahrzeugs befestigt werden können. Der Verwender verspricht sich durch die Aufzeichnung des Straßenverkehrs, im Falle eines Verkehrsunfalls dessen Hergang nachvollziehen zu können, um etwaige Schadensersatzforderungen beweisen und geltend machen zu können.

Entscheidung des VG Ansbach

Dem Urteil des VG Ansbach liegt der Fall zugrunde, dass einem Fahrzeughalter der Betrieb einer Dash-Cam zur Aufzeichnung von Verkehrsverstößen anderer Verkehrsteilnehmer, durch das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) untersagt wurde. Hiergegen wendete der Fahrzeughalter ein, dass die Aufnahmen lediglich privaten Zwecken dienen, sodass das Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) erst gar nicht zur Anwendung gelangt (§ 1 Abs. 2 Nr. 3 BDSG) und klagte schließlich gegen den Bescheid.

Wenig überraschend hat das VG Ansbach die Zulässigkeit derartiger Dash-Cams nur unter engen Voraussetzungen für zulässig erachtet. Da im konkreten Fall die Aufzeichnungen der Beweissicherung dienen sollte, führte der Kammervorsitzende aus, dass eine Verwendung von Dash-Cams nur dann zulässig ist, wenn die Videos nicht an Dritte übermittelt werden. Als Dritte nannte er insbesondere die Zurverfügungstellung an die Polizei oder Plattformen im Internet wie YouTube und Facebook.

Damit stützt das Gericht die Begründung seiner Ausführungen auf den Anwendungsbereich des Bundesdatenschutzgesetzes. Gemäß § 1 Abs. 2 Nr. 3 BDSG findet dieses keine Anwendung, wenn die Aufzeichnung ausschließlich für persönliche oder familiäre Tätigkeiten erfolgt. Davon ist aber gerade dann nicht mehr auszugehen, wenn die Verwendung derartiger Kameras zur Dokumentation eines Verkehrsunfalls erfolgt.

Da das BDSG im hier vorgestellten Fall anwendbar ist, weist das Gericht schließlich zu Recht darauf hin, dass das Interesse des Verwenders einer Dash-Cam geringer zu gewichten ist, als das informationelle Selbstbestimmungsrecht der anderen Verkehrsteilnehmer, sich in der Öffentlichkeit frei zu bewegen, ohne befürchten zu müssen einer Videoüberwachung ausgesetzt zu sein.

Nichtsdestotrotz wurde das behördliche Verbot des BayLDA jedoch aufgrund formaler Fehler im Bescheid aufgehoben, weil der Verbotsbescheid nicht eindeutig formuliert gewesen gewesen ist.

Beschluss des Düsseldorfer Kreises

Schon der Düsseldorfer Kreis (Gremium aus den Aufsichtsbehörden des Bundes und der Länder für den Datenschutz) wies in seinem Beschluss vom 25./26. Februar 2014 darauf hin, dass er den Einsatz solcher Kameras für generell unzulässig hält. Die Verwendung könne nicht mit § 6b Abs. 1 Nr. 3 und Abs. 3 BDSG in Einklang gebracht werden.

Auswirkungen

Das VG Ansbach zieht mit seinem Urteil richtigerweise Grenzen für die Verwendung von Dash-Cams. Wäre die uneingeschränkte Verwendung von solchen Kameras zulässig, würde eine Ausuferung der Überwachung öffentlicher Bereiche, wie dem Straßenverkehr, drohen, was das nach Art. 2 Abs. 1 GG geschützte informationelle Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen erheblich tangieren würde. Ob, wie vom Vorsitzenden der Kammer gefordert, der Gesetzgeber entsprechende Regelungen in das Gesetz aufnimmt, bleibt abzuwarten. Das VG Ansbach hat aufgrund der Bedeutung dieser Rechtsfrage die Berufung zugelassen.

 

Update:

Auch das Landgericht Heilbronn hatte sich in seinem Urteil vom 17.2.2015 (Az. I 3 S 19/14 – Volltext) mit Dash-Cams zu befassen. Es kam zu dem Ergebnis, dass die Aufzeichnungen einer im Fahrzeug installierten Dash-Cam nicht in einem Zivilprozess als Beweismittel zum Unfallhergang verwertet werden dürfen.